Gemäß § 2 Abs. 4 des Straßenverkehrsgesetzes ist nur derjenige zum Führen von Kraftfahrzeugen im Straßenverkehr geeignet, wer die körperlichen und geistigen Anforderungen zum sicheren Führen von Kraftfahrzeugen erfüllt und nicht erheblich oder wiederholt gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen hat. Falls von einem Kraftfahrer durch dessen Fehlverhalten eine Gefahr für die Verkehrssicherheit ausgeht, kann zur Abklärung behördlicher Eignungszweifel ein Gutachten einer anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (medizinisch-psychologisches Gutachten) verlangt werden.

Die medizinisch-psychologische Untersuchung dauert zwischen drei und sechs Stunden und besteht aus drei Teilen: einer medizinischen Untersuchung durch einen Arzt, einem Leistungs- und Reaktionstest und einem psychologischen Explorationsgespräch mit einem Psychologen.

Im medizinischen Teil klärt der Arzt, ob körperliche oder psychiatrische Einschränkungen vorliegen, die das sichere Führen von Kraftfahrzeugen beeinträchtigen.

Der Leistungs- und Reaktionstest wird am Computer absolviert. Dabei werden optische und akustische Reaktionsgeschwindigkeit, Konzentrationsleistung unter Monotonie, visuelle Orientierung, Auffassungsgeschwindigkeit und Wahrnehmung von Verkehrssituationen unter Zeitdruck getestet.

Bei dem psychologischen Untersuchungsgespräch wird mit Hilfe der interviewbasierten Erhebungstechniken eine Aussage über zukünftiges Verkehrsverhalten des Kraftfahrers getroffen. Hier kann man auch drei Phasen unterscheiden. In der Vorbereitungsphase (warming up) wird der Sinn und Zweck des Gesprächs erläutert. Dabei soll eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre mit einem ehrlichen und respektvollen Umgang erschaffen werden. Danach folgt die wichtige Darstellungsphase, hier arbeiten die Gutachter gerne mit sogenannten Pyramidenfragen z.B. es wird eine offene Frage nach dem Tatgeschehen formuliert, die durch Verständnisfragen, Nachfragen und Präzisierungsfragen weiter differenziert wird. Der Informationsgehalt wird von Frage zu Frage geringer jedoch zielgerichteter (wie eine Pyramide). Inhaltlich geht es darum, herauszufinden, warum ein bestimmtes Verhalten trotz erlebter Nachteile fortgesetzt wurde, ob und warum sich Einstellungen und Verhaltensweisen geändert haben, und ob dieser Veränderung eine hinreichende Stabilität zuzusprechen ist. In der letzten Rückmeldephase erhält der Untersuchte eine Rückmeldung und eventuell das voraussichtliche Ergebnis. Das ist aber keine Voraussetzung, manchmal muss der Gutachter noch die Ergebnisse der Urin- oder Blutprobe abwarten oder Rücksprache mit den Kollegen halten.